Jung & Naiv
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#835 - Philosophin Catrin Misselhorn über KI- & Roboter-Ethik

25. Juni 2026 · 4 Std. 8 Min.

Künstliche Intelligenz sollte menschliche Selbstbestimmung fördern, nicht Menschen in grundlegenden Fragen ersetzen und von Menschen getragene Verantwortung bewahren.

Catrin Misselhorn, Philosophin für KI- und Roboter-Ethik an der Universität Göttingen, diskutiert ihre drei Grundsätze der Maschinenethik mit Tilo Jung. Sie argumentiert, dass KI Menschen unterstützen sollte, ohne sie in existenziellen Bereichen wie Leben-und-Tod-Entscheidungen oder sozialen Beziehungen zu ersetzen. Zentral ist die Kritik am Tech-Solutionism: Technische Systeme verschärfen oft die Probleme, die sie angeblich lösen, etwa wenn Einsamkeit durch Roboter-Companion vermeintlich gelindert wird, statt strukturelle Ursachen anzugehen.

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Themen & Erkenntnisse

Katrin Misselhorns akademischer Weg und philosophische Grundfragen · ab 00:00: Misselhorn erklärt ihre Motivation für Philosophiestudium durch existenzielle Fragen in der Schulzeit und ihren akademischen Weg über Tübingen und die USA.
Donald Davidson und die Philosophie der Sprache · ab 32:00: Davidsons Interpretationstheorie zeigt, dass Sprachverständnis Normativität erfordert und sich nicht in rein physikalischen Begriffen erklären lässt.
Gemäßigter Naturalismus und die Grenzen der Naturwissenschaften · ab 55:00: Gemäßigter Naturalismus verbindet philosophische Autonomie mit Offenheit für naturwissenschaftliche Erkenntnisse, ohne reduktionistisch zu werden.
KI-Geschichte und ihr philosophischer Ursprung · ab 01:57:00: KI entstand aus philosophischem Ehrgeiz, menschliche Intelligenz zu kopieren, nicht aus praktischen Anwendungszielen – mit Folgen bis heute.
Erster Grundsatz: KI soll Selbstbestimmung fördern, nicht ersetzen · ab 02:10:00: KI darf Selbstbestimmung nicht unterminieren – sie sollte helfen, nicht Menschen in ihren Kernkompetenzen ersetzen.
Zweiter Grundsatz: KI soll nicht über Leben und Tod entscheiden · ab 02:16:00: KI darf keine Tötungsentscheidungen treffen, da Verantwortung bei Menschen bleiben muss und solche Entscheidungen keine moralischen Pflichten sind.
Dritter Grundsatz: Menschliche Verantwortung für KI-Entscheidungen · ab 02:31:00: Menschliche Verantwortung für KI bedeutet: Entscheidungen müssen überprüfbar sein und auf konkrete Personen zurückgeführt werden können.
Empathie, Illusion und der moralische Status von Robotern · ab 01:43:00: Empathie mit Robotern ist moralisch indirekt relevant: Sie zu missbrauchen schadet unserer eigenen moralischen Fähigkeit.
Sexroboter, Pornografie und Objektifizierung · ab 02:41:00: Sexroboter setzen die historische Objektifizierung von Frauen fort und verstärken sexistische Normen, auch wenn sie technisch neutral wirken.
KI als Brennglas für philosophische Fragen · ab 03:00:00: KI dient nicht als bloße Anwendung von Philosophie, sondern als Linse zur Vertiefung fundamentaler philosophischer Fragen.
Dialektik des Technischen und Tech-Solutionism · ab 01:25:00: Tech-Solutionism verschärft Probleme wie Einsamkeit, statt sie zu lösen; strukturelle Lösungen sind moralisch geboten.

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