bto – der Ökonomie-Podcast
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Investitionsstreik in Deutschland

12. Juli 2026 · 1 Std. 15 Min.

Deutschland befindet sich in einer Investitionsfalle: Mit einer Nettoinvestitionsquote von 0,2% des BIP statt erforderlicher 2-3% verliert das Land dramatisch an Wettbewerbsfähigkeit, was in absehbarer Zeit zu einer Deindustrialisierung führt, wenn nicht massive Reformen eingeleitet werden.

Deutschland investiert faktisch nicht mehr in seine produktive Infrastruktur – produktive Nettoinvestitionen liegen bei nur 0,2% des BIP statt der notwendigen 2-3%. Eine McKinsey-Standortstudie zeigt, dass Deutschland in den meisten Industrien 40-250% teurer ist als die günstigsten Standorte weltweit, was zu einem Investitionsstreik führt. Die Analyse identifiziert sechs Handlungshebel, die bis zu 80% der Kostenlücke schließen könnten, doch die Bundesregierung setzt diese nicht um. Ohne Umkehr droht eine Abwärtsspirale aus fehlenden Investitionen, Produktivitätsstagnation und weiterer Erosion der Wettbewerbsfähigkeit.

Zahlen & Fakten

0,2%

Produktive Nettoinvestitionsquote in Deutschland 2024 (Anteil am BIP)

2%

Produktive Nettoinvestitionsquote in Deutschland vor der Finanzkrise 2008

23%

Produktive Nettoinvestitionsquote in China 2024

Weitere 19 Zahlen & Fakten anzeigen

14%

Produktive Nettoinvestitionsquote in Indien 2024

4%

Produktive Nettoinvestitionsquote in den USA 2024

2%

Durchschnittliche produktive Nettoinvestitionsquote in der EU 2024

40-250%

Kostenspanne: Deutschland ist je nach Industrie/Branche so viel teurer als die jeweils günstigsten Standorte weltweit

30%

Geschätztes Produktivitätssteigerungspotenzial durch KI und Robotik in der Industrie

30-80%

Anteil der Kostenlücke zwischen Deutschland und besten Standorten, der durch sechs Hebel geschlossen werden könnte

1 Prozentpunkt

Jährlicher Produktivitätsverlust durch fehlende Arbeitsmarktdynamik in Deutschland im Vergleich zu den USA

20%

Aggregierter Produktivitätsrückstand über 10-20 Jahre durch mangelnde Unternehmensdynamik in Deutschland

95%

Anteil der zusätzlich 2025 aufgenommenen Schulden der Bundesregierung, die nicht für echte Infrastrukturinvestitionen verwendet wurden

4,2 Milliarden Euro

Summe ursprünglich für Straßen und Schienen bestimmter Mittel, die die Bundesregierung 2027 im Verteidigungshaushalt verbuchte

0,4%

Geschätztes durchschnittliches jährliches Produktionspotenzialwachstum Deutschlands bis 2030 laut Sachverständigenrat

0,7%

Geschätztes durchschnittliches jährliches Produktionspotenzialwachstum Deutschlands nach 2030 laut Sachverständigenrat

3%

Wachstum des realen BIP pro Kopf in Deutschland seit 2015 (in Prozentpunkten)

40%

Wachstum des realen BIP pro Kopf in den USA seit 2015 (in Prozentpunkten)

36%

Durchschnittliches Wachstum des realen BIP pro Kopf in allen OECD-Ländern seit 2015 (in Prozentpunkten)

200

Durchschnittliche Tage bis zur Baugenehmigung in Deutschland

60

Durchschnittliche Tage bis zur Baugenehmigung in den USA

40

Durchschnittliche Tage bis zur Baugenehmigung in China

3-4x

Faktor: Entwicklung einer neuen Elektroauto-Plattform kostet in Deutschland so viel wie in China

Diese Folge steckt voller Zahlen – neugierig?

Themen & Erkenntnisse

Deutschlands Investitionskrise und globale Kontextualisierung · ab 14:54: Deutschlands Nettoinvestitionen liegen bei nur 0,2% des BIP statt 2-3%. China, Indien und USA investieren deutlich höher. Deutschland ersetzt nur alte Anlagen, schafft keine neuen Kapazitäten.
McKinsey-Standortstudie: Kostenvergleiche und Wettbewerbsnachteile · ab 16:30: McKinsey-Analyse zeigt: Deutschland ist 40-250% teurer als beste Standorte. Bauzeiten, Löhne, Energiekosten, Regulierung sind Hauptprobleme. E-Auto-Plattform kostet hier dreimal so viel wie in China.
Gespräch mit Jan Mischke: Analyse der Kostentreiber und Produktivitätslücken · ab 26:05: Arbeits- und Baukosten sind Hauptkostentreiber, nicht Energie. Neue weltweit standardisierte Fabriken eliminieren deutsche Produktivitätsvorteile. Fehlende Arbeitsmarktdynamik kostet 1 Prozentpunkt Produktivitätswachstum pro Jahr.
Lösungsansätze und Forderungen an die Politik · ab 40:51: Sechs McKinsey-Hebel könnten 30-80% der Kostenlücke schließen. Stelter fordert Energiewende mit Kernkraft, Arbeitsmarktflexibilisierung, Bürokratieabbau, Sozialreform und Innovationsförderung. Regierung setzt diese nicht um.
Abwärtsspirale ohne Reformen und Kritik an der Regierungspraxis · ab 42:20: Ohne Investitionen keine Produktivität – Teufelskreis. Regierung verfehlt ihre Ziele: 95% der Schulden 2025 nicht für echte Investitionen verwendet, echte Reformen fehlen, Abwärtsspirale beschleunigt sich.

Quellen

StudieMcKinsey Global Institute: Catalyzing Competitiveness – Where Investment Happens and Why (Juni 2026)

StudieNuclear Energy Agency (OECD): Nuclear Energy Outlook – Global Installed Capacity to 2050 and Beyond

Studieifo Institut: Bundesregierung verschiebt Investitionen zwischen Schuldentöpfen (8. Juli 2026)

Alle Quellen findest du in der vollständigen Folge

Wer spricht

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Dr. Daniel StelterHOST

Gründer und Leiter von Beyond the Obvious (BTO), Wirtschaftsanalyst und Autor. Stelter ist ein führender Kommentator zu deutschen Wirtschafts- und Finanzfragen, veröffentlicht regelmäßig Analysen zur Wettbewerbsfähigkeit, Energiepolitik und Konjunktur. Er moderiert den wöchentlichen Ökonomie-Podcast BTO und hat das Buch 'ABSTURZ – So retten wir Deutschland' verfasst.

Alle Auftritte von Dr. Daniel Stelter
D
Dr. Jan MischkeGAST

Partner am McKinsey Global Institute (MGI) in Zürich und Leiter der Forschung zu Produktivität und Wohlstand seit 2010. Seine Arbeit umfasst Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum von Regionen und Ländern, insbesondere Europa, sowie Infrastruktur, Bauwesen, Immobilienwirtschaft und globales Vermögen. Er verfügt über zehn Jahre Beratungserfahrung bei McKinsey und ist Mitautor der Standortstudie 'Catalyzing Competitiveness' (Juni 2026).

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