Epicenter Works, Österreichs wichtigster netzpolitischer Verein, zeigt, wie bezahlter Aktivismus mit sachlicher Expertise und realpolitischem Engagement zu Erfolgen in der Grundrechtsverteidigung führt – notwendig finanziert durch Spenden und Stiftungen, ständig in Balance zwischen Kritik und konstruktiver Zusammenarbeit mit allen Parteien.
Epicenter Works ist ein gemeinnütziger österreichischer Verein mit neun Mitarbeitern, der seit 15 Jahren netzpolitische Themen in Gesetzgebung, internationalen Gremien und Kampagnen bearbeitet. Der Verein entstand 2009 aus dem Widerstand gegen Vorratsdatenspeicherung und wuchs zu einer professionellen Organisation, die bei EU- und UN-Prozessen Grundrechte verteidigt. Das Gespräch behandelt ihre Arbeitsweise, Finanzierung, die Zusammenarbeit mit Regierungen und Parteien, sowie ihre Vision für bessere netzpolitische Debatten in Europa.
Gründung und Entwicklung von Epicenter Works · ab 00:00: Epicenter Works entstand 2009 als Widerstandsbewegung gegen Vorratsdatenspeicherung in Österreich und wandelte sich durch erfolgreiche Kampagnen und Verfassungsklagen schrittweise in einen professionellen Verein mit bezahlten Mitarbeitern um.
Arbeitsweise und Sachverstand: Vom Aktivismus zur realpolitischen Expertise · ab 04:47: Epicenter Works kombiniert technische, juristische und wissenschaftliche Expertise mit lösungsorientierter Kritik: Stellungnahmen zu Gesetzesvorhaben, Klage beim Europäischen Gerichtshof, Kampagnen online und offline, Prozessbeobachtungen – und arbeitet dabei unabhängig von Parteien und Ideologien.
Parteiübergreifende Zusammenarbeit und die Frage nach Neutralität · ab 20:16: Thomas und Tanja erklären, dass Österreich andere politische Verhältnisse hat als Deutschland: Die FPÖ ist seit Jahrzehnten immer wieder in Regierungsverantwortung. Um bestimmte Gesetzesvorhaben zu Fall zu bringen, braucht es in Österreich ein Drittel der Abgeordneten – manchmal ist die Zusammenarbeit mit der FPÖ unvermeidbar. Konstanze Kurz hält dagegen, dass solche Kooperationen zur Normalisierung führen; Thomas verweist auf europäische Mehrheitsverhältnisse, bei denen man ohne Rechte keine Mehrheit mehr findet. Tanja betont interne Grenzen: Bei wissenschaftsfeindlichen Positionen (z.B. in der Pandemie) kooperiert der Verein nicht.
Erfolgsbeispiele und aktuelle Themen: Von Zero-Rating bis Bundestrojaner · ab 05:51: Epicenter Works hat bei Zero-Rating Erfolge erzielt (Europäischer Gerichtshof 2021), kämpft gegen Chatkontrolle und staatliche Trojaner, positioniert sich zu EIDAS und digitalem Euro – immer mit Fokus auf Datenschutz und Grundrechtskonformität statt grundsätzlicher Ablehnung.
Finanzierung und die Frage nach bezahltem versus ehrenamtlichem Aktivismus · ab 01:10:58: Epicenter Works finanziert sich zur Hälfte durch Spenden und Fördermitglieder, zur Hälfte durch Stiftungen. Der Verein stand zweimal vor Zahlungsunfähigkeit (2020, Oktober 2023). Die Diskussion: Ist bezahlter Aktivismus notwendig für Sachverstand und Kontinuität – oder kostet er Unabhängigkeit?
Freie Software, internationale Vernetzung und Vision für digitale Zukunft · ab 57:00: Epicenter Works entwickelt freie Software wie MEP.eu, um Menschen mit Abgeordneten zu verbinden. Der Verein arbeitet international (UN, lateinamerikanische Klagen, Taiwan) und setzt auf Digital Public Infrastructure, Transparenz und kollaborative Entwicklung statt US- oder China-abhängige Lösungen.
Wer spricht
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Markus BeckedahlHOST
Moderator von Chaos Radio, beteiligt sich aktiv in der Diskussion und stellt kritische Fragen zu Neutralität, Finanzierung und Realpolitik
Co-Moderatorin von Chaos Radio, Vorstandsmitglied des Chaos Computer Club, arbeitet mit internationalen Organisationen zusammen und kommentiert die österreichische Netzpolitik
Geschäftsführer und Jurist bei Epicenter Works, spezialisiert auf EU-Recht und digitale Infrastrukturen. Vormals tätig für NGOs in Brüssel, engagiert sich Lohninger in Debatten zu Netzpolitik und digitalen Grundrechten, wie in Podcasts wie Chaosradio und Logbuch Netzpolitik dokumentiert.