Angst ist in Putins Russland das zentrale Herrschaftsmittel: Sie wird vom Staat systematisch verbreitet, hat tiefe historische Wurzeln in der Sowjetzeit und durchdringt nun alle Bereiche der Gesellschaft – von Bürgern über Eliten bis zur Außenpolitik.
Diese Ostcast-Folge analysiert die Angst als Herrschaftsinstrument in Russland. Die Hosts Michael Thumann und Alice Bota diskutieren, wie der russische Staat durch schwammige Gesetze wie die "Ausländischer-Agenten"-Regelung, die Einstufung von Organisationen als "extremistisch" und systematische Unterdrückung Angst als Alltagserfahrung etabliert hat. Sie zeigen, wie diese Angst generationsübergreifend weitergegeben wird, wie sie selbst die Elite und Putin persönlich prägt, und wie Russland versucht, diese Angst auch nach außen zu exportieren – etwa durch Atomdrohungen gegen den Westen.
Zahlen & Fakten
seit 2012
Jahr der Verabschiedung des Gesetzes über ausländische Agenten (121 FZ), das Beginn der modernen Repressionswelle gegen Zivilgesellschaft
2012
Jahr, in dem das Gesetz über 'ausländische Agenten' (121 FZ) verabschiedet wurde – der Beginn des modernen Repressionsapparats
2022
Jahr des vollständigen Überfalls Russlands auf die Ukraine; ab diesem Zeitpunkt eskaliert die Angst in der russischen Gesellschaft deutlich
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1989
Gründungsjahr von Memorial als zivilgesellschaftliche Initiative zur Aufarbeitung sowjetischer Verbrechen
1979
Jahr, in dem Papst Johannes Paul II. in Warschau 'Fürchtet euch nicht' sagte – ein Satz, der möglicherweise zum Fall des Sozialismus beitrug
5 Jahre
Dauer der politischen Gefangenschaft der belarussischen Musikerin Maria Kalesnika
hunderttausende russische Männer
Anzahl derer, die 2022 bei der ersten Teilmobilisierung versucht haben, Russland zu verlassen, um dem Fleischwolf zu entgehen
mehrere hundert Individuen und Organisationen
Anzahl derer, die auf der Freitags-Liste des Justizministeriums als ausländische Agenten eingestuft sind
Rubriken
Themen & Erkenntnisse
Quellen
• RechtGesetz über ausländische Agenten (Nummer 121 FZ)
• BuchIrina Scherbakova: Der Schlüssel könnte noch passen (Buch über ihre Arbeit bei Memorial und Familiengeschichte)
• StudieJuri Levada - Forschungen zur sowjetischen Gesellschaft und zum Homo Sowjeticus
Weitere 5 Quellen anzeigenWeniger anzeigen
• StudieLevada-Institut (Sozialforschungsinstitut, gegründet von Juri Levada, erforscht russische Gesellschaft)
• BuchJulian Barnes - Roman über Djakon (Lebensloses Dakovic)
• StudieMikhail Voslinsky - Forschung über sowjetischen Sozialismus, Privilegien und Angst als Herrschaftsmittel
• BuchSergej Karaganov, Dimitri Trenin, Ivan Timafeev: Buch über Abschreckung und nukleare Eskalation
• VideoMaria Kalesnika - Performance 'Free Maria' (Radialsystem Berlin, über ihre politische Gefangenschaft in Belarus)
Wer spricht
AAlice BotaHOST
Osteuropa-Korrespondentin der ZEIT, war lange Jahre vor Ort in Ostmitteleuropa und der Ukraine tätig, berichtet über Politik und Gesellschaft der Region, sitzt nun in Berlin und beschäftigt sich mit deutscher Außenpolitik.
Alle Auftritte von Alice Bota →MMichael ThumannHOST
Leiter des Moskauer Büros der ZEIT und Moskau‑Korrespondent; berichtet vor Ort über Politik, Gesellschaft und Wirtschaft in Russland und ist Co‑Moderator des Podcasts „Ostcast“. (Er liefert in dieser Folge Eindrücke aus Moskau und Regionen.)
Alle Auftritte von Michael Thumann →IIrina ScherbakowaGAST
Historikerin, Mitgründerin der Menschenrechtsorganisation Memorial (Friedensnobelpreis 2022), Zeitzeugin des Aufstiegs Putins, lebt im Exil in Berlin
Alle Auftritte von Irina Scherbakowa →KIDieser Inhalt wurde KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft.