Die Dunkelkammer – Der Investigativ-Podcast
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#333 ORF. Über gekaufte Sendezeit und Quellenschutz – mit Fabian Burstein

5. Juni 2026 · 1 Std. 2 Min.

Der ORF und speziell ORF 3 haben ein strukturelles Problem: Externe Produzenten verkaufen Sendezeit an Sponsoren, die Produktionskosten werden von den Sponsoren getragen, während der ORF nur minimale Lizenzgebühren zahlt – eine Vermischung von Werbung und Redaktion, die dem Publikum vorenthalten bleibt.

Michael Nikbakhsh präsentiert seine Recherchen zu gekauften Inhalten bei ORF 3. Im Gespräch mit Fabian Burstein wird aufgezeigt, wie ein Lizenzkarussell funktioniert: Externe Filmproduzenten beauftragt Sponsoren mit Produktionskosten, stellen diese dann als fertige Inhalte dem ORF zur Verfügung, der sie zu minimalen Gebühren lizenziert. Die Öffentlichkeit erfährt nicht, dass diese Sendungen bezahlt waren. Das Problem geht über ORF 3 hinaus bis in ORF 2.

Zahlen & Fakten

800 Euro

Lizenzgebühr, die der ORF für eine 25-minütige Folge der Serie "Wahre Kunst" an den Produzenten zahlte

1500 Euro

Lizenzgebühr für längere Formate (ca. 45 Minuten) bei ORF 3

5000–6000 Euro

Gebühr, die Sponsoren (Galerien, Auktionshäuser) jeweils pro Folge der Serie "Wahre Kunst" zahlten, damit ihre Vertreter interviewt wurden

Weitere 5 Zahlen & Fakten anzeigen

30.000 Euro

Gesamtproduktionskosten für eine Sendung "Wahre Kunst" (kalkuliert mit sechs Sponsoren à 5000 Euro)

600 Euro

Lizenzgebühr, die der ORF für alle sechs Folgen der Serie "Faszination Musical" (insgesamt ca. 45 Minuten) zahlte

25.000 Euro

Produktionskosten für die Serie "Faszination Musical", bezahlt von den Vereinigten Bühnen Wien

36.000 Euro

Summe, die das Brucknerhaus Linz 2022 und 2023 jeweils an den ORF zahlte, um Berichterstattung zum Brucknerfest zu erkaufen

700 Produktionen pro Jahr

Zahl, die Katrin Zierhut-Kunz (Co-Geschäftsführerin ORF 3) nannte für den jährlichen Einkauf/die Beauftragung bei ORF 3

Diese Folge steckt voller Zahlen – neugierig?

Themen & Erkenntnisse

Recherchemethodik und Quellenschutz · ab 05:00: Nikbakhsh erläutert, wie investigativ recherchiert wird: Verifizierung von Material, mehrstufige Überprüfung von Authentizität und Authentizität von Dokumenten. Kritisch ist der Schutz von Quellen vor Aufdeckung durch interne Institutionen, die Maulwürfe jagen.
Das Lizenzeinnahmenkarussell: Wie gekaufte Inhalte entstehen · ab 25:00: Der ORF hat zu wenig Budgets für Programm. Externe Produzenten akquirieren Sponsoren, die Produktionskosten zahlen, und verkaufen dem ORF die fertigen Inhalte zu minimalen Lizenzgebühren – z.B. 800 Euro für eine 25-minütige Sendung.
Beispiele und Struktur des Problems: Von ORF 3 bis ORF 2 · ab 27:00: Konkrete Fälle zeigen das Muster: "Wahre Kunst"-Serie (Sponsor zahlte 5000–6000 Euro pro Folge), "Faszination Musical" (Vereinigte Bühnen Wien zahlten 25.000 Euro, ORF nur 600 Euro), "100 Jahre ÖBB". Indizien deuten darauf hin, dass das Problem größer ist und auch ORF 2 betrifft.
Kulturjournalismus und die fehlende kritische Distanz · ab 49:00: Kulturberichterstattung in Österreich funktioniert oft als Partnerschaft mit dem Kulturbetrieb statt als kritisches Gegenüber. Das Problem liegt im Selbstverständnis des Kulturjournalismus, der Strukturen nicht durchleuchtet und affirmativ berichtet.

Quellen

ArtikelOberösterreichische Nachrichten, Artikel von Peter Grubmüller vom 19. August 2023 zur gekauften Berichterstattung beim Brucknerhaus/ORF

Alle Quellen findest du in der vollständigen Folge

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