Forschung aktuell – Deutschlandfunk
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Pocken in Südamerika: Mumien belegen Eintrag aus Europa

31. Juli 2026 · 4 Min.

Genomanalysen zweier chilenischer Mumien aus der frühen Kolonialzeit belegen Pockeninfektionen und zeigen eine eigene, inzwischen ausgestorbene Virenlinie, die vermutlich im Zusammenhang mit der europäischen Kolonisierung nach Südamerika gelangte.

Archäogenetikerinnen analysierten Proben von 30 Personen aus Nordchile und rekonstruierten aus zwei Mumien komplette Pockenvirus-Genome. Die beiden Genome sind zu 99,9 % identisch und datieren wahrscheinlich in die frühe Kolonialzeit (ca. 1492–1631). Die Infizierten gehören zu einer indigenen Gemeinschaft ohne europäische Abstammungsanteile, was eine Ausbreitung über indigene Verbindungen des Inkareichs nahelegt. Genetische Vergleiche zeigen, dass es sich um eine eigene, inzwischen ausgestorbene Pockenlinie handelt, die in den Stammbaum zwischen frühmittelalterliche und spätere Linien passt und damit Lücken in der Evolutionsgeschichte schließt.

Zahlen & Fakten

300 Millionen

Geschätzte Todesfälle durch Pocken im 20. Jahrhundert

99,9 %

Übereinstimmung der beiden chilenischen Pocken-Genome untereinander

30

Anzahl der untersuchten Menschenproben aus der Region

Weitere 6 Zahlen & Fakten anzeigen

2

Anzahl der Mumien, aus denen vollständige Pockenvirus-Genome rekonstruiert werden konnten

30–35 Jahre

Altersschätzung der weiblichen Mumie

19

Altersschätzung des männlichen Mumienteilsnehmers (rund 19 Jahre)

1320–1680

Grobe Radiokarbon-Datierungsspanne für die Fundschicht

1492–1631

Wahrscheinliche, genomisch verfeinerte Datierung des Todeszeitraums der beiden Infizierten

1–2 pro Jahrhundert

Durchschnittliche Rate der Geninaktivierung auf dem Weg zu späteren Pockenlinien

Diese Folge steckt voller Zahlen – neugierig?

Rubriken

Themen & Erkenntnisse

Entdeckung und genetischer Nachweis von Pockenviren in zwei Mumien · ab 00:31
Datierung und Ausbreitungswege in der frühen Kolonialzeit · ab 01:31
Evolutionsgeschichte des Pockenvirus und genetische Veränderungen · ab 02:31

Wer spricht

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Dagmar RöhrlichHOST

Dagmar Röhrlich, Reporterin und Autorin des Beitrags in der Sendereihe "Forschung aktuell" beim Deutschlandfunk. Sie hat die Recherche zur Studie, zu Fallbeispielen und zu den Folgen des Klimawandels für indigene Pflanzenkenntnisse zusammengestellt und präsentiert.

Alle Auftritte von Dagmar Röhrlich

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