Der Kanton als Katalysator: Basel-Landschaft zeigt, wie föderale Strukturen durch Vertrauen, Bottom-up-Prozesse und integrierte Versorgungsmodelle zum Innovationslabor für ein effizienteres und hausarztzentriertes Gesundheitswesen werden können.
Regierungsrat Thomi Jourdan spricht über seine Strategie zur Transformation des Schweizer Gesundheitswesens am Beispiel Basel-Landschaft. Zentral ist dabei nicht Regulierung, sondern Ermöglichung: Durch kontinuierliche Begegnung mit Leistungserbringern, Kassen und Patienten hat er ein innovatives Versorgungsmodell entwickelt, das Hausärzte in den Mittelpunkt rückt, alle Versicherer einbindet und digitale Vernetzung als Schlüssel nutzt. Der föderale Ansatz ermöglicht schnelle Experimente und das Teilen von Lerneffekten — auch Scheitern gehört dazu. Die grössten Herausforderungen: Hausärztinnen und Hausärzte bewahren, Fehlanreize durch intelligente Modelle statt Verbote adressieren, und Vertrauen zwischen fragmentierten Systemakteuren aufbauen.
Themen & Erkenntnisse
Vom Wirtschaftsstudium zur Gesundheitspolitik: Thomi Jourdans unkonventionelle Karriere und Wertekompass · ab 01:01: Jourdan verbindet diverse berufliche Stationen (Streetwork, Spitalmanagement, Immobilienwirtschaft, Gemeinderat) mit einer klaren Werteorientierung, die ihn als erstem EVP-Regierungsrat der Schweiz den Weg ebnet.
Das föderale Innovationslabor: Kantonsrolle als Ermöglicher, Koordinator und Katalysator · ab 23:26: Basel-Landschaft versteht sich als Innovationslabor, in dem der Kanton Leistungserbringer, Versicherer und Behörden zusammenbringt, um versorgungszentriert statt spitalplanungszentriert zu denken.
Das Versorgungsmodell Basel-Land: Hausartzentrierte integrierte Versorgung mit digitaler Vernetzung · ab 38:06: Das Modell verbindet alle Versicherer, macht den Hausarzt zur Fallführungsperson, bietet Multi-Access (Telemedizin, Gesundheitszentren, Apotheken) und nutzt ein Datenaustauschsystem, um Doppeluntersuchungen und Fehlversorgung zu senken.
Zentrale Erkenntnisse: Hausarztmedizin, Vertrauen und die Drei-Kassen-Logik · ab 01:00:53: Jourdan identifiziert Hausarztmedizin als kritisch, kritisiert stationär-ergänzende statt -ersetzende Ambulantisierung und plädiert dafür, Betriebsrechnung, Staatsfinanzen und Gesamtgesundheitskosten synchron zu bewerten.