Im Revier. Von Ruhrpolen, Gastarbeitern und Kriegsflüchtlingen
13. Dezember 2025 · 45 Min.
Das Ruhrgebiet ist seit 150 Jahren ein Labor der modernen Migrationsgesellschaft, in dem sich Migration nicht als harmonischer Schmelztiegel, sondern als kontinuierlicher Prozess von Aushandlung, Brüchen und wechselnden Prioritäten vollzieht.
Die Episode erzählt die Migrationsgeschichte des Ruhrgebiets von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute. Sie zeigt, wie die industrielle Entwicklung zunächst Nahwanderer aus der unmittelbaren Umgebung anzog, dann die sogenannten Ruhrpolen aus den preußischen Ostprovinzen, später Zwangsarbeiter und Flüchtlinge, schließlich "Gastarbeiter" aus Südeuropa und der Türkei. Der Mythos des Schmelztiegels wird dabei relativiert: Jede Migrationswelle brachte Segregation, Konflikt und längerfristig generationenübergreifende Integration mit sich. Heute steht das Ruhrgebiet unter dem Druck von Deindustrialisierung und wirtschaftlicher Krise.
Zahlen & Fakten
5 Millionen
Einwohnerzahl des heutigen Ruhrgebiets
35 bis 40 Prozent
Anteil der Bevölkerung des Ruhrgebiets mit Migrationshintergrund
1,8 bis 2,1 Millionen
Geschätzte Zahl von Zugewanderten und deren Nachkommen im Ruhrgebiet
Weitere 9 Zahlen & Fakten anzeigenWeniger anzeigen
12 bis 14 Millionen
Gesamtzahl der Vertriebenen und Flüchtlinge nach 1945
95 Prozent
Anteil nicht-deutscher Herkunft in bestimmten Stadtteilen wie Duisburg-Marxloh
150 Nationen
Anzahl der im Ruhrgebiet vertretenen Nationen
Mitte des 19. Jahrhunderts
Zeitpunkt, zu dem die industrielle Entwicklung des Ruhrgebiets beginnt
1955
Jahr des ersten Anwerbeabkommens mit Italien für Gastarbeiter
9 von 10
Anteil italienischer Gastarbeiter, die wieder in ihre Heimat zurückkehrten
21. Dezember 2018
Datum der Schließung der letzten Zeche Steinkohlebergwerk Prosper-Haniel in Bottrop, Ende des Bergbaus im Ruhrgebiet
jeder vierte Bewohner
Anteil der Nachfahren von Ruhrpolen in vielen Ruhrgebietsstädten zu Beginn des 20. Jahrhunderts
etwa drei Viertel
Anteil griechischer, spanischer und jugoslawischer Gastarbeiter, die zurückkehrten
Themen & Erkenntnisse
Quellen
• Klaus Theenfelde (Historiker) – Kritik am Schmelztiegelbild des Ruhrgebiets
Wer spricht
AAlmut FinckHOST
Autorin und Erzählerin dieser Episode des WDR-Zeitzeichen-Podcasts. Sie recherchiert und präsentiert die Geschichte des Black-Tom-Anschlags von 1916, der deutschen Geheimagenten in den USA und deren Langzeitfolgen bis zur Bundesrepublik Deutschland.
Alle Auftritte von Almut Finck →CChristoph NonnGAST
Professor für Neueste Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, ausgewiesener Kenner der Migrationsgeschichte in Deutschland und Nordrhein-Westfalen
Alle Auftritte von Christoph Nonn →KIDieser Inhalt wurde KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft.