Radiowissen – BR
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Insolvenzen – Machtspiel zwischen Gläubiger und Schuldner

23. Juni 2026 · 24 Min.

Insolvenzen sind komplexe Machtspiele zwischen Gläubigern und Schuldnern, in denen rechtliche Regeln, wirtschaftliche Interessen und Reformen darüber entscheiden, ob ein Unternehmen gerettet oder abgewickelt wird.

Die Folge zeichnet den Wandel vom antiken, strafenden Umgang mit Schuldnern bis zur modernen Insolvenzordnung nach. Sie erklärt Ursachen von Firmenpleiten, die Rollen von Gläubigern, Arbeitnehmern und Insolvenzverwaltern sowie die praktische Verteilung knapper Mittel. Anhand historischer und aktueller Beispiele (z. B. Bremer Vulkan, Quelle, Wirecard) zeigt die Sendung, wie Reformen – etwa die Insolvenzordnung von 1999 oder Schutzschirmverfahren – das Verhältnis zwischen Schuldnern und Gläubigern verändert haben. Insgesamt betont der Beitrag die wirtschaftlichen und sozialen Folgen großer Pleiten.

Zahlen & Fakten

10 %

Anteil der Betriebsaufgaben, die durch Insolvenzantrag erfolgen (nur jede zehnte Schließung)

80–90 %

Anteil aller (meist Kleinst-)Unternehmen, die im Insolvenzfall geschlossen werden

≥50 %

Anteil großer Unternehmen (≥100 Beschäftigte oder ≥20 Mio. Umsatz), die ganz oder teilweise gerettet werden

Weitere 11 Zahlen & Fakten anzeigen

3 %

Durchschnittliche Quote, die Gläubiger im Insolvenzverfahren erhalten

36 %

Anstieg der Arbeitslosenquote im Raum Nürnberg-Fürth nach der Quelle-Insolvenz

22.000

Unternehmen, die 2024 bundesweit Insolvenz angemeldet haben

3 Monate

Zeitraum, für den Arbeitnehmer*innen im Zweifel ihr Gehalt abgesichert sind (vor Insolvenzantrag)

1879

Jahr der ersten reichsweiten Konkursordnung in Deutschland

1999

Jahr des Inkrafttretens der neuen deutschen Insolvenzordnung

1979

Jahr, in dem der US-Bankruptcy-Code mit reorganisierenden Verfahren (Chapter 11) Einfluss gewann

2012

Jahr, ab dem Schuldner*in in Deutschland einen Insolvenzverwalter auswählen kann (Schutzschirmverfahren)

2021

Jahr der EU-geprägten Reformen, die frühere Sanierungsoptionen stärkten

20.000

Arbeitsplätze, die bei der Pleite der Werft Bremer Vulkan Mitte der 1990er verloren gingen

4.000

Arbeitsplätze, die bei der Insolvenz des Versandhändlers Quelle 2009 wegfielen

Diese Folge steckt voller Zahlen – neugierig?

Themen & Erkenntnisse

Historische Perspektive auf Schuldner und Konkurs · ab 00:18
Ablauf, Akteure und ökonomische Folgen moderner Insolvenzen · ab 02:36
Reformen des Insolvenzrechts und Machtverschiebungen · ab 12:02

Quellen

Buch»Große Pleiten und die Wege des Insolvenzrechts« (Buch, Autor: Christoph G. Paulus)

RechtZwölftafelgesetz (altrömisches Recht, Regelungen zu Schuldnern und Strafen)

RechtReichsweite Konkursordnung (1879)

Weitere 2 Quellen anzeigen

RechtInsolvenzordnung (Deutschland, Inkrafttreten 1999)

RechtUS Bankruptcy Code (Chapter 11, seit 1979 genannt als Vorbild für Reorganisationsverfahren)

Alle Quellen findest du in der vollständigen Folge

Wer spricht

M
Maike BroskaHOST

Journalistin und Produzentin dieses Beitrags; Autorin beim BR (in den Shownotes als Maike Brzoska angegeben) und Sprecherin, die die Geschichte und Reformen des Insolvenzrechts zusammenfasst.

Alle Auftritte von Maike Broska
C
Christoph G. PaulusGAST

Insolvenzrechtler, emeritierter Professor an der Humboldt-Universität Berlin und Autor des Buches »Große Pleiten und die Wege des Insolvenzrechts«; liefert rechtliche Einordnungen zur Machtbalance zwischen Gläubigern und Schuldnern.

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P
Peter KranzuschGAST

Sozialwirt und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Mittelstandsforschung in Bonn; erklärt ökonomische Ursachen von Insolvenzen, Branchenrisiken und die regionalen sozialen Folgen großer Firmenpleiten.

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J
Jasper KunstreichGAST

Historiker am Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie in Frankfurt am Main; kommentiert die historischen Wurzeln des Konkursbegriffs und moralische Deutungen von Schuld und Gläubigern.

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