Sicherheitshalber
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#107 LIVE in Mainz - Halbzeitbilanz: Ist Deutschland bald wehrhaft?

19. April 2026 · 1 Std. 17 Min.

Deutschland steht bei der Zeitenwende auf halbem Weg: Für 2029 ist eine kritische Kapazitätslücke der Bundeswehr identifiziert, doch die sofortige Verteidigungsfähigkeit ("Fight Tonight") und die mentale Transformation von Gesellschaft und Politik erfordern drastisch mehr Tempo.

Die Folge bilanziert vier Jahre Zeitenwende nach der russischen Vollinvasion der Ukraine. Die Diskutanten erklären, warum 2029 als kritisches Jahr gilt, analysieren die parallelen Anforderungen einer schnellen Einsatzbereitschaft ("Fight Tonight") und einer längerfristigen Vollausstattung der Bundeswehr bis 2029, und betonen das erhebliche Umsetzungsdefizit bei strukturellen Herausforderungen. Sie heben positive Entwicklungen in der Rüstungsindustrie und Zivilgesellschaft hervor, kritisieren aber die fehlende konsistente politische Begleitung und vermissen die Diskussion über gesamtgesellschaftliche Verteidigungsfähigkeit.

Zahlen & Fakten

76 %

Anteil der Deutschen, die sehr interessiert oder interessiert an Sicherheitspolitik sind (Berlin-Pulse-Umfrage)

72 %

Anteil der Deutschen, die für höhere Verteidigungsausgaben sind

35 %

Anteil der Deutschen, die fälschlicherweise denken, Deutschland gebe bereits über 5 % des Bruttosozialprodukts für Verteidigung aus

Weitere 8 Zahlen & Fakten anzeigen

38 %

Anteil derjenigen, die für mehr militärische Führung Deutschlands in Europa sind

61 %

Anteil derjenigen, die gegen mehr militärische Führung Deutschlands in Europa sind

3,5 %

Ziel-Verteidigungsbudget Deutschlands als Anteil des BIP bis 2029

10 %

Anteil am Jahresumsatz (4 Milliarden Euro), den der Motorenhersteller Deutz zukünftig mit Defense-Produkten generieren will

2029

NATO-Schätzjahr, ab dem Russland erhöhte militärische Kapazitäten für großflächige Angriffe gegen die NATO haben könnte

2023

Jahr, in dem das NATO Joint Threat Assessment geschrieben wurde, das die 5-Jahres-Prognose enthielt

6.000

Anzahl von Soldaten in der NATO-Übung Hedgehog (Brigade aus Estland, Großbritannien, Frankreich), die von wenigen Dutzend ukrainischen Drohnen aufgerieben wurden

2032

Zeitrahmen, bis zu dem die NATO-Mitgliedstaaten 3,5 % des BIP für Verteidigung aufbringen sollen

Diese Folge steckt voller Zahlen – neugierig?

Themen & Erkenntnisse

Die 2029-Debatte: Fähigkeiten, Intentionen und strategische Unsicherheit · ab 02:02: NATO-Analysen identifizierten 2029 als Zeitpunkt, ab dem Russland erhöhte militärische Kapazitäten gegen die NATO hätte. Die echte Bedrohung liegt in der Zwischenzeit bis dahin.
Fight Tonight: Einsatzfähigkeit heute und strukturelle Herausforderungen der Bundeswehr · ab 09:40: Die Bundeswehr könnte sofort viele einfache Maßnahmen umsetzen, ohne auf Industrie zu warten – Trainings, Munitionswechsel, Drohnenabwehr. Strukturelle Umgestaltung für modernen Krieg ist noch nicht abgeschlossen.
Rüstungsindustrie und Beschaffung: Chancen, Hürden und regulatorische Fesseln · ab 27:01: Rüstungsindustrie boomt mit Neugründungen und Kapital, doch Regulierung, Zertifizierungsprozesse und Sicherheitsvorschriften bremsen die praktische Umsetzung erheblich.
Gesellschaft, Politik und die mentale Wende: Das Kommunikationsdefizit · ab 41:27: Bevölkerung und Industrie sind bereit, doch der politische Diskurs zur Zeitenwende ist ermattet. Konsistente Kommunikation und Bürgerbeteiligung fehlen.
Europäische Perspektiven: Deutsch-französisches Machtgleichgewicht und internationale Erwartungen · ab 52:35: Europäer sehen in Deutschlands Aufrüstung ein positives Signal, aber auch die Verschiebung traditioneller Machtverhältnisse – Deutschland konventionell stärker, Frankreich weiterhin nuklear dominant.

Quellen

StudieNATO Joint Threat Assessment 2023

StudieNATO Center of Excellence zur strategischen Kommunikation – Report zu KI-unterstützten Desinformationskampagnen (April 2026)

StudieBerlin-Pulse-Umfrage (Körber-Stiftung) zu Sicherheitspolitik und Verteidigungsausgaben

Weitere 1 Quelle anzeigen

ArtikelBericht des niederländischen Senders Omrop Kjeldaland über Bluetooth-Tracker auf niederländischer Fregatte

Alle Quellen findest du in der vollständigen Folge

Wer spricht

T
Thomas WiegoldHOST

Journalist und Gründer des Fachinformationsportals Augen geradeaus, Experte für Sicherheitspolitik, Rüstungsfragen und Bundeswehr. Verfügt über langjähriges Erfahrungswissen in der Beobachtung deutscher Verteidigungspolitik und kritisiert in dieser Folge journalistische Standards und fehlende Spezialisierung in der Kriegsberichterstattung.

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U
Ulrike FrankeHOST

Senior Policy Fellow beim European Council on Foreign Relations (ECFR) in Berlin. Spezialistin für europäische Sicherheitspolitik, China-Politik und strategische Autonomie. Argumentiert in dieser Folge für regionale Konvergenzen in Europa trotz fehlender globaler strategischer Einheit und betont neue Tech-Souveränitäts-Bewusstseine.

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F
Frank SauerHOST

Politikwissenschaftler und Sicherheitsexperte an der Universität der Bundeswehr München. Spezialist für Sicherheitsstudien, Rüstungskontrolle und Nuklearstrategie. In dieser Folge analysiert er die Diskrepanz zwischen Rhetorik und Umsetzung bei europäischer Verteidigung, kritisiert Mindset-Probleme in Bundeswehr-Strukturen und liefert technische Korrekturen zu Filmszenarien und Waffensystemen.

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C
Carlo MasalaHOST

Professor für Internationale Beziehungen und Politische Theorie an der Universität der Bundeswehr München. Bekannt für langfristige sicherheitspolitische Analysen und konzeptionelle Tiefe. Reflektiert in dieser Folge über historische Kontinuitäten sicherheitspolitischer Debatten und gibt optimistische wie skeptische Szenarien zur europäischen Zukunft ab.

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