Odysseus fasziniert die Menschheit seit 3.000 Jahren, weil er ein gebrochener Held ist – voller menschlicher Schwächen, aber mit unbrechbarem Überlebenswillen.
Die Folge untersucht die Figur des Odysseus und seine bis heute andauernde Faszination. Prof. Dr. Raimund Schulz erklärt, warum Odysseus kein strahlender Held ist, sondern ein psychologisch differenzierter Charakter mit großen Fehlern und Niederlagen. Das Gespräch behandelt sowohl die historischen Wurzeln der Odyssee-Erzählung als auch ihre literarische Gestaltung durch Homer, wobei geklärt wird, dass Odysseus zwar eine literarische Figur ist, aber auf möglicherweise realen Grundlagen basiert. Die Episode verbindet mythologische Analyse mit historischem Kontext und beleuchtet die Aktualität dieser 3.000 Jahre alten Geschichte.
Zahlen & Fakten
3.000 Jahre
Zeitraum, über den die Geschichte des Odysseus die Menschheit fasziniert und tradiert wird
20 Jahre
Gesamte Dauer von Trojanischer Krieg und Odysseus' Heimreise bis zu seiner Rückkehr nach Ithaka
10 Jahre
Dauer der in der Odyssee erzählten Irrfahrten und des zweiten Teils zu Hause (genauer etwa 9 Jahre)
Weitere 5 Zahlen & Fakten anzeigenWeniger anzeigen
12 Schiffe
Anzahl der Schiffe, mit denen Odysseus die Heimreise von Troja angetreten hat; am Ende ist die gesamte Mannschaft verloren
7. Jahrhundert
Ungefähre Zeit, in der Homer die Odyssee dichtete
8./9. Jahrhundert
Vermutete Lebenszeit einer möglichen historischen Person namens Odysseus in Nordwestgriechenland
6. Jahrhundert v.Chr.
Zeitpunkt, an dem die gesamte Odyssee erstmals komplett in Athen an einem großen Fest vorgelesen wurde
16. Juli
Kinostartdatum des neuen Films 'Die Odyssee' von Christopher Nolan in deutschen Kinos
Odysseus und seine zeitlose Faszination · ab 01:28: Odysseus verkörpert menschliche Extreme: Verlust und Triumph, Schmerz und Erfolg. Er ist ein gebrochener Held mit Schwächen, der sich immer wieder aufrapelt und seine Ziele erreicht – eine Mischung aus Menschlichkeit und exotischen Abenteuern.
Homer, die Homerische Frage und die historischen Grundlagen · ab 02:49: Die Frage, ob Homer als einzelner Dichter existierte, wird heute eher mit ja beantwortet. Odysseus ist literarische Figur, aber Homer verarbeitete wahrscheinlich mündliche Überlieferungen über eine reale Person aus dem 8./9. Jahrhundert Nordwestgriechenlands.
Odysseus' Charakter: Cleverness, Bestialität und das Scheitern als Anführer · ab 04:53: Odysseus ist kein edler Ritter, sondern ein realistischer Held mit vielen Schwächen. Er nutzt Schliche und Lügen, verliert seine gesamte Flotte und alle Kameraden und versagt als Anführer – trägt aber seinen Überlebenswillen in jeder Niederlage weiter.
Mythos und Realität: Die Welt der Odyssee als konzentrische Kreise · ab 09:50: Homer beschreibt die Odyssee in konzentrischen Kreisen: reale Orte und griechische Kolonisierungsgebiete in der Nähe, mystische Orte und Fantasy am weitesten entfernt – eine geografische Ordnung, die den Zuhörern vertraut war.
Antike Schiffstechnologie und Navigation · ab 12:18: Antike Seefahrer – besonders Phönizier und Griechen – waren technisch fähiger als lange angenommen. Sie konnten gegen Wind und Strömung rudern, über offene Meere segeln und sogar im Atlantik fahren – ohne moderne Hilfsmittel.
Reichtum als Existenzgrundlage: Der materielle Drang in der Odyssee · ab 20:36: Odysseus' permanente Suche nach Beute und Schätzen ist kein persönlicher Trieb, sondern Ausdruck eines elitären Zwangs: Seine aristokratische Position hängt vom sichtbaren Reichtum ab, den er zum Halten seiner Gefolgschaft braucht.
Die Rückkehr nach Ithaka: Bürgerkrieg statt Happy End · ab 27:17: Odysseus kehrt heim, vernichtet die Freier und die untreuen Sklavinnen, doch der verursachte Schaden eskaliert zum Bürgerkrieg: Die Väter der getöteten Freier fordern Rache, Zeus muss schlichten – ein offenes, spannungsreiches Ende.
Odyssees Nachleben: Von der Antike bis zur modernen Verfilmung · ab 30:43: Die Odyssee wurde ab dem 6. Jahrhundert v.Chr. in Athen komplett vorgelesen und zur Bibel der Griechen. Sie verbreitete sich durch Alexander und Rom weit, prägte westliche Literatur – nun verfilmt Christopher Nolan das Epos.