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#839 - Ami Ayalon (Ex-Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet)

21. Juli 2026 · 1 Std. 31 Min.

Israel hat seinen existenziellen Krieg gewonnen – mit der arabischen Friedensinitiative von 2002 – muss diesen Sieg aber anerkennen und einen Staat Palästina akzeptieren, um als Demokratie zu überleben.

Ami Ayalon, ehemaliger Leiter des israelischen Geheimdiensts Shin Bet, argumentiert in diesem Gespräch, dass Israel seinen 140-jährigen existenziellen Krieg bereits gewonnen hat – nicht militärisch, sondern weil die arabische Welt 2002 in Beirut vom «Dreifachen Nein» (keine Anerkennung, Verhandlung, Frieden) zum «Dreifachen Ja» übergegangen ist. Er warnt jedoch, dass Israel diesen Sieg nicht anerkennt und stattdessen weiterhin gegen eine bereits besiegte Gegenseite kämpft. Dies geschieht seiner Ansicht nach, weil die aktuelle israelische Regierung den Krieg als Machtinstrument benötigt. Ayalon betont, dass Verständnis für die Gegenseite – seien es Palästinenser oder der Iran – der einzige Weg zu echter Sicherheit ist, und dass die Internationale Gemeinschaft Israel großzügig unterstützen sollte, aber nicht bedingungslos.

Zahlen & Fakten

20 %

Bevölkerungsanteil der arabischen Israelis an der Gesamtbevölkerung Israels

140 Jahre

Zeitspanne, seit der Zionismus Ende des 19. Jahrhunderts entstanden ist und Israel seither kämpft

35 Jahre

Dauer von Ami Ayalons Militärdienst in der israelischen Marine

Weitere 6 Zahlen & Fakten anzeigen

6 Tote von 35 Soldaten

Verluste beim Überfall auf die Insel Green Island während des Kriegs der Abnutzung

1200 Menschen

Zahl der israelischen Todesfälle vom 7. Oktober, die Mehrheit Zivilisten

2700 Menschen

Israelische Todesfälle während des Jom-Kippur-Krieges in weniger als drei Wochen

2002

Jahr, in dem die Arab League in Beirut ihre Position vom Dreifachen Nein zum Dreifachen Ja änderte

56 Muslim-Staaten

Anzahl der Länder, die die Arabische Friedensinitiative von 2002 später akzeptierten

82 Jahre alt

Altersangabe von Ami Ayalon zum Zeitpunkt des Gesprächs

Diese Folge steckt voller Zahlen – neugierig?

Themen & Erkenntnisse

Biografie und Weg zum Shin Bet · ab 02:00: Ayalon wächst in Kibbutz auf, wird Marinekommandant, und wird nach Rabins Ermordung unfreiwillig zum Shin-Bet-Chef – als Zeichen für tiefe Gesellschaftskrise.
Misstrauen als Sicherheitsdoktrin und ihre Folgen · ab 36:50: Israelische Gesellschaft vertraut niemandem aufgrund historischer Erfahrung; diese Misstrauenskultur führt zu Paranoia und schadet zur Zeit zur Friedensfindung.
Israel hat den Krieg gewonnen – die arabische Friedensinitiative von 2002 · ab 25:26: Arab League wandelte 2002 in Beirut ihr Lager: von totaler Ablehnung Israels zur bedingten Anerkennung; Israel lehnt diesen Sieg ab und kämpft weiter.
Die Doppelmoral der gegenwärtigen Regierung und der Krieg als Machtmittel · ab 50:20: Netanyahus Koalition braucht Krieg zur Machtsicherung; Hamas wurde finanziert, um Alternative zu PA zu schwächen und Verhandlungen zu vermeiden.
Verständnis des Feindes als Weg zu echter Sicherheit und Hoffnung · ab 01:08:30: Hauptlektion aus Shin Bet: Feinde sind Menschen; ohne Hoffnung für Palästinenser gibt es keine Sicherheit für Israel; die Internationale Gemeinschaft sollte großzügig unterstützen.

Wer spricht

T
Tilo JungHOST

Journalist und Gründer des Podcasts Jung & Naiv, bekannt für unabhängigen Politjournalismus ohne kommerzielle oder öffentlich-rechtliche Finanzierung. Führt Interviews mit Politikern, Aktivisten und Experten zu Themen wie internationales Recht, Nahostkonflikt und Geopolitik.

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Ami AyalonGAST

Israeli, geb. 1945, ehemaliger Oberbefehlshaber der israelischen Marine (35 Jahre Dienst) und Direktor des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet für etwa 4,5 Jahre. Nach seiner Sicherheitslaufbahn engagiert er sich in Friedensinitiativen und Brückenbauprojekten mit Palästinensern. Er war Mitglied der Knesset und Autor, bekannt für Kritik an der aktuellen israelischen Regierungspolitik gegenüber Palästina. Seine Karriere macht ihn zu einem seltenen Insider-Kritiker des israelischen Sicherheitsestablishments.

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