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Warum regieren Juristen statt Parlamente, Philip Manow? (128)

15. Juni 2026 · 1 Std. 14 Min.

Die größere Gefahr für die Demokratie ist nicht der Populismus selbst, sondern die Verrechtlichung der Politik, die dazu führt, dass demokratische Debatten durch Urteile von Richtern ersetzt werden.

Philip Manow argumentiert, dass der Populismus in Europa und darüber hinaus nicht eine ideologische Gefahr darstellt, sondern eine rationale Reaktion auf Globalisierungsschocks und die Entmachtung nationalstaatlicher Demokratien ist. Die eigentliche Bedrohung liegt in der Konstitutionalisierung und Verrechtlichung politischer Entscheidungen auf EU-Ebene, wodurch demokratische Selbstbestimmung durch juristische Urteile ersetzt wird. Deutschland folgt dabei einem Sonderweg mit besonders ausgeprägten Instrumenten wie dem Bundesverfassungsgericht und dem Verfassungsschutz. Die wehrhafte Demokratie und Parteiverbote sind keine Lösungen, sondern verstärken die Delegitimation demokratischer Institutionen.

Zahlen & Fakten

5 %

Anteil der Arbeiter in Baden-Württemberg, die bei der letzten Landtagswahl SPD gewählt haben

10 %

Fast 10 % erreichte die Linke in der 2009er Bundestagswahl

Diese Folge steckt voller Zahlen – neugierig?

Themen & Erkenntnisse

Populismus als rationale Reaktion auf Globalisierungsschocks · ab 02:00: Populismus ist eine rationale Reaktion von Gesellschaftsgruppen, die von Globalisierung benachteiligt wurden, nicht eine ideologische Gefahr an sich.
Die Verrechtlichung der Politik und Entmachtung des Parlaments · ab 31:00: Zentrale Politikfelder sind verfassungsrechtlich festgeschrieben, wodurch Parlamente zur Simulation ihrer Macht degradiert werden.
Deutschlands Sonderweg und das gescheiterte Modell der wehrhaften Demokratie · ab 47:00: Deutschlands wehrhafte Demokratie mit Parteiverboten und Verfassungsschutz löst das eigentliche Problem nicht, sondern lenkt ab.
Die Artikel-2-Revolution des EuGH und die Gefahr der Richterherrschaft · ab 01:02:00: Der EuGH setzt Artikel 2 als Instrument ein, um Gesellschaftsfragen zu regeln statt Parlamente entscheiden zu lassen.

Quellen

BuchBranko Milanovic: The Great Global Transformation

BuchPeter Mayer: Ruling the Void

BuchPhilip Manow: Die politische Ökonomie des Populismus

Weitere 4 Quellen anzeigen

BuchPhilip Manow: Über Populismus

BuchKolja Möller: Volk und Elite

Chantal Mouffe: Theorien zum Populismus

Ernesto Laclau: Populismus-Theorien

Alle Quellen findest du in der vollständigen Folge

Wer spricht

P
Philip ManowGAST

Politikwissenschaftler für internationale politische Ökonomie an der Universität Siegen, Autor von Büchern zu Populismus und politischer Ökonomie

Alle Auftritte von Philip Manow
J
Jan FeddersenHOST

Journalist und Co-Host des Intellektuellen-Podcasts »based.«; diskutiert gemeinsam mit Benjamin Scherp politische Ideen, Philosophie und gesellschaftliche Fragen mit prominenten Denkern und Autoren.

Alle Auftritte von Jan Feddersen

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