Eine Herstellerabgabe auf zuckergesüßte Getränke kann Hersteller zu Reformulierungen und damit zu weniger Zucker in Getränken motivieren, verringert jedoch allein vermutlich nicht ausreichend das Problem von Übergewicht und Adipositas in der Bevölkerung.
Die Folge erklärt die geplante deutsche Herstellerabgabe auf Süßgetränke (staffelnde Abgaben nach Zuckergehalt) und vergleicht sie mit dem britischen Modell von 2018. Frank Schubert erläutert die gesundheitlichen Risiken hohen Zuckerkonsums, zeigt erste Effekte aus Großbritannien (deutliche Zuckerreduktionen in Produkten, geringere Zuckerzufuhr) und betont zugleich die Grenzen einer Steuer allein. Ergänzende Maßnahmen (Ernährung in Kitas/Schulen, Kennzeichnung, Werbebeschränkungen, Bewegung) werden empfohlen.
Zahlen & Fakten
450 Mio. €
Geschätzte jährliche Einnahmen für den Fiskus durch die geplante Abgabe
170 Mio. €
Geschätzte mögliche jährliche Einsparungen im Gesundheitssystem langfristig
≈45 %
Durchschnittliche Reduktion des Zuckergehalts in Getränken nach Einführung der britischen Steuer
Weitere 14 Zahlen & Fakten anzeigenWeniger anzeigen
12 % → ≈20 % (2003→2023)
Anstieg der Adipositas‑Prävalenz laut Langzeituntersuchung des Robert‑Koch‑Instituts
5 g/100 ml
Schwelle für Steuerfreiheit im diskutierten deutschen Modell
5–8 g/100 ml
Zuckermenge: Tarifstufe mit 26 Cent pro Liter vorgeschlagen
26 Cent/Liter
Abgabe für Getränke mit 5–8 g Zucker pro 100 ml (deutscher Entwurf)
>8 g/100 ml
Höhere Tarifstufe für Zuckergehalt über 8 g pro 100 ml
32 Cent/Liter
Abgabe für Getränke mit mehr als 8 g Zucker pro 100 ml (deutscher Entwurf)
20 g/Tag
Durchschnittlicher Anteil freien Zuckers in Deutschland, der allein über Süßgetränke aufgenommen wird
80 g/Tag
Durchschnittlicher täglicher Pro‑Kopf‑Konsum freien Zuckers in Deutschland
50 g/Tag
WHO‑Empfehlung für maximale Aufnahme freien Zuckers pro Tag
114 Staaten (2024)
Anzahl der Staaten mit einer Süßgetränkesteuer laut WHO‑Angaben (2024)
2018
Einführungsjahr der britischen zuckerhaltigen Getränkeherstellersteuer
3 g/Tag
Geschätzte tägliche Reduktion freien Zuckers bei Kindern in Großbritannien nach Steuer
5,2 g/Tag
Geschätzte tägliche Reduktion freien Zuckers bei Erwachsenen in Großbritannien nach Steuer
6.600 kcal/Jahr
Geschätzte jährliche Reduktion der Energiezufuhr pro Person aus Softdrinks in Großbritannien
Rubriken
Themen & Erkenntnisse
Quellen
• StudieWeltgesundheitsorganisation (WHO) – Empfehlung zu freiem Zucker: maximal 50 g pro Tag; und Angabe zur Anzahl der Staaten mit Süßgetränkesteuer (2024)
• StudieLangzeituntersuchung des Robert‑Koch‑Instituts (Adipositas‑Häufigkeit 2003–2023)
Alle Quellen findest du in der vollständigen FolgeWer spricht
MMarc ZimmerHOST
Marc Zimmer ist Journalist und Host des Spektrum‑Podcast bei Detektor FM. In der Episode eröffnet und moderiert er die Jubiläumsfolge, führt durch die Themen und befragt die Spektrum‑Redakteurinnen und -Redakteure zu fünf verbreiteten Wissenschaftsmythen.
Alle Auftritte von Marc Zimmer →FFrank SchubertGAST
Frank Schubert ist Biologe und Redakteur bei Spektrum der Wissenschaft; er ist seit Beginn an in die Produktion des Spektrum‑Podcast eingebunden. Im Gespräch klärt er über die evolutionären Verwandtschaftsverhältnisse von Menschen und anderen Menschenaffen auf, nennt ungefähre Abspaltungszeiten und erläutert genetische Nähe.
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