bto – der Ökonomie-Podcast
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Kahlschlag im Autoland

22. Juli 2026 · 41 Min.

Die europäische Automobilindustrie verliert bis 2040 massiv an Wertschöpfung und Arbeitsplätzen – nicht primär wegen des Verbrennerverbots, sondern weil die Elektromobilität weniger Arbeitsplätze schafft und Europa global an Marktanteilen verliert.

Der Strukturwandel in der Automobilindustrie vom Verbrenner zur Elektromobilität führt zu dramatischen Verlusten in Europa. Die Fraunhofer-Studie „ELAB 2040" prognostiziert bis 2040 den Verlust von 726.000 Arbeitsplätzen in der europäischen Antriebsstrangproduktion – ein Minus von 45 Prozent bei 1,6 Millionen Positionen. Überraschend: Die Regulierungsszenarien (Verbrennerverbot vs. flexiblere Regeln) spielen eine untergeordnete Rolle. Entscheidend sind Standortbedingungen wie Energiekosten, Bürokratieabbau und Wettbewerbsfähigkeit. Mit gezielten Reformen könnten bis 2035 sogar 200 Milliarden Euro zusätzliche Wertschöpfung in Deutschland entstehen – doch die Politik handelt nicht.

Zahlen & Fakten

45 %

Prozentuale Reduktion der Arbeitsplätze in der europäischen Antriebsstrangproduktion bis 2040

87–90 Milliarden Euro

Wertschöpfungsverlust bis 2035 im schlechtesten Szenario (34–36 Prozent Minus gegenüber 2025)

95 Milliarden Euro

Gesamter Wertschöpfungsverlust bis 2040 im Worst-Case-Szenario

Weitere 20 Zahlen & Fakten anzeigen

24 %

Europas Marktanteil am globalen Fahrzeugabsatz im Jahr 2025

18 %

Europas projizierter Marktanteil am globalen Fahrzeugabsatz im Jahr 2040

113 Milliarden Euro

Wertschöpfungsverlust aus dem Verbrennerbereich im EU-Kommissionsvorschlag-Szenario

18 Milliarden Euro

Wertschöpfung, die aus Elektroantrieben im Kommissionsvorschlag-Szenario neu entsteht (nur ein Sechstel des Verlusts)

54 Milliarden Euro

Wertschöpfungsverlust für Deutschland bis 2040 (minus 64 Prozent gegenüber 2025)

80 %

Wertschöpfungsverlust bei deutschen Zulieferern (vier von fünf Euro verschwinden)

18 Milliarden Euro

Wertschöpfungszuwachs in Ungarn bis 2040 (plus 83 Prozent) durch Verlagerung aus Deutschland und anderen EU-Ländern

17 Milliarden Euro

Wertschöpfungsverlust Frankreichs bis 2040

13 Milliarden Euro

Wertschöpfungsverlust Italiens bis 2040

4,5 Milliarden Euro

Wertschöpfungszuwachs in Tschechien bis 2040

90 Milliarden Euro

Mögliche zusätzliche Wertschöpfung durch verbesserte Standortbedingungen bis 2030

200 Milliarden Euro

Mögliche zusätzliche Wertschöpfung durch verbesserte Standortbedingungen bis 2035

2,9 Millionen

Gesamtzahl von Arbeitsplätzen in Europa für Automobilhersteller und Zulieferer

1,7 Millionen

Arbeitsplätze bei Zulieferern in Europa

5,8 %

Entwicklungskostenquote deutscher Top-Zulieferer (doppelt so hoch wie globaler Durchschnitt von 2,9 Prozent)

35 %

Anteil des Geschäfts großer Zulieferer, das noch in Europa stattfindet (Rest international)

726.000

Prognostizierte verlorene Arbeitsplätze in Europas Antriebsstrangproduktion bis 2040 (von 1,6 Millionen)

660.000

Arbeitsplätze, die bis 2035 in der Antriebsstrangproduktion wegfallen, im Worst-Case-Szenario

275.000

Nettoverlust von Arbeitsplätzen bis 2040 nach Strategy-&-Studie im realistischsten Szenario (Fit-for-55-Programm)

645.000

Zulieferer-Arbeitsplätze in der Strategy-&-Studie, die direkt mit Verbrennungsmotor und Getriebe arbeiten

Diese Folge steckt voller Zahlen – neugierig?

Themen & Erkenntnisse

Fraunhofer-Studie ELAB 2040: Die erschreckenden Zahlen zur Antriebsstrangproduktion · ab 00:53: Bis 2040 drohen 726.000 verlorene Arbeitsplätze in Europas Antriebsstrangproduktion, Deutschland verliert 64 Prozent Wertschöpfung, Zulieferer trifft es besonders hart mit 80 Prozent Rückgang.
Das eigentliche Problem: Nicht das Verbrennerverbot, sondern globale Wettbewerbsfähigkeit und Standortbedingungen · ab 03:34: Regulierung ist Nebenschauplatz; Europa verliert global Marktanteile (24 auf 18 Prozent), während Elektromobilität deutlich weniger Wertschöpfung schafft als Verbrenner wegfällt.
Lösung durch Standortreformen: 200 Milliarden Euro zusätzliche Wertschöpfung möglich – aber unwahrscheinlich · ab 10:28: Mit Energiekosten-Reduktion und Bürokratieabbau wären bis 2035 sogar +200 Mrd. Euro möglich – doch Politik und Gewerkschaften weigern sich, diese Reformen anzupacken.
Gesprächsrückblick: Strategy-&-Studie von 2022 und warum selbst Experten zu optimistisch waren · ab 14:39: Archivgespräch mit Strategy-&-Partner Rennert zeigt: Experten unterschätzten 2022 die Dynamik; sein Berufsoptimismus erweist sich als zu positiv.
Chancen und Herausforderungen für Zulieferer: Innovation, Footprint-Optimierung und Mentale Transformation · ab 26:27: Zulieferer brauchen Innovation (F&E-Investitionen), CO2-optimierte Standorte und mentalen Wandel; doch nur 35% ihres Geschäfts spielt sich noch in Europa ab.
Geografische Neuordnung: Ungarn, Frankreich, Spanien als Gewinner – Deutschland verliert · ab 09:46: Ungarn, Frankreich, Spanien gewinnen durch bessere Standortfaktoren; Deutschland, Frankreich, Italien verlieren – europäische Wertschöpfung schrumpft trotz regionaler Verschiebungen.

Wer spricht

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Dr. Daniel StelterHOST

Gründer und Leiter von Beyond the Obvious (BTO), Wirtschaftsanalyst und Autor. Stelter ist ein führender Kommentator zu deutschen Wirtschafts- und Finanzfragen, veröffentlicht regelmäßig Analysen zur Wettbewerbsfähigkeit, Energiepolitik und Konjunktur. Er moderiert den wöchentlichen Ökonomie-Podcast BTO und hat das Buch 'ABSTURZ – So retten wir Deutschland' verfasst.

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Henning RennertGAST

Partner bei Strategy & (Strategieberatungsbereich von PwC) mit Sitz in Düsseldorf und Mitglied der Automotive-Praxisgruppe. Verfügt über umfassende Erfahrung in der gesamten Automobilbranche bei OEMs und Zulieferern, insbesondere an der Schnittstelle zwischen Automobilherstellern und Zulieferern. Studierte Wirtschaftsingenieurswesen an der Technischen Universität Berlin und arbeitete zwölf Jahre in der globalen Automobilzulieferindustrie, bevor er 2007 zu Strategy & kam.

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